In 78 Tagen um die halbe Welt
Le Mans, Gulfblue, Steve McQueen. Auch auf Tahiti stehen diese Namen für Träume. Grund genug, einen entsprechend konfigurierten 911 auf eine 23.000 Kilometer lange Reise zu schicken. Die wohl weiteste Schiffspassage eines Porsche bis zur ersten Ausfahrt.
„Paul ist ein ganz besonderer Charakter“, meint Jérôme Lety mit einem Augenzwinkern. „Als vor ungefähr 20 Jahren der erste Porsche Cayenne nach Tahiti kam, hatte Paul davon Wind bekommen. Jedenfalls wartete er unten am Hafen unserer größten Stadt Papeete und folgte dem Cayenne wie ein Schatten bis zum Porsche Zentrum, kam zeitgleich an und kaufte das Auto vom Fleck weg.“ Inzwischen besitze dieser Paul Pouvil mehrere Porsche-Modelle: Cayenne, Macan und 911. Heute ist der Tag, an dem Pouvil einen ganz besonderen Elfer in Empfang nehmen will.
Jérôme Lety ist der Chef von German Motors, dem Porsche-Importeur in Französisch-Polynesien. Das macht den drahtigen Mittsechziger, der immer im Dienst zu sein scheint, auch zu einem Rekordhalter: Kein Porsche Zentrum ist weiter von Stuttgart-Zuffenhausen entfernt als das Centre Porsche Polynésie Française in der Route de Ceinture, Papeete, Tahiti. Luftlinie sind es etwa 18.000 Kilometer. Kurz zur Orientierung: Tahiti gehört, wie auch die Sehnsuchtsinseln Bora Bora, Huahine, Moorea und Rangiroa, zu Französisch-Polynesien, einem Gebiet von der Größe der EU, das mitten im Pazifik und weitab vom Rest der Welt südlich des Äquators liegt.
Der 911 Carrera GTS (992) seines Kunden Paul Pouvil ist deshalb eines der seltenen Porsche-Fahrzeuge mit einer Rekordzahl von fast 12.400 Seemeilen im Lebenslauf. Umgerechnet sind das 23.000 Kilometer Strecke, bevor er überhaupt auf eigener Achse bewegt wird.
Gigantisch:
Vor dem Fischerdorf Teahupo’o an Tahitis Südwestküste liegt ein Pilgerort für Weltklasse-Surfer. Die gleichnamige Welle ist berüchtigt, 2024 fand hier der olympische Surfwettbewerb statt. Christophorus-Fotograf Killian Domingo stammt selbst aus Tahiti und ist auf atemberaubende Naturaufnahmen wie diese spezialisiert. Jetzt landete erstmals ein gulfblauer 911 vor seiner Linse – passend zur azurblauen Kulisse.Reise im Schiffsbauch
Den Löwenanteil davon sammelt der Sportwagen im Bauch der „Höegh Trove“, eines der modernsten Autofrachtschiffe der Welt. Von Bremerhaven in Norddeutschland geht es am 20. Februar 2026 los mit Kurs West und Atlantik, dann am Westrand Europas nach Süden an der Westküste Afrikas entlang über den Äquator. Auf der Südhalbkugel um das Kap Agulhas an der Südspitze Afrikas in den Indischen Ozean Richtung Australien. Dort folgt die Route der Südküste von West nach Ost bis in den Pazifischen Ozean, dreht auf Kurs Nordost und endet schließlich zunächst in der neuseeländischen Hafenstadt Auckland, wo das Schiff am 28. April festmacht. Für die restlichen rund 4.000 Kilometer verschwindet der Elfer in einem Container und dann im Bauch der „Capitaine Kupe“. Am 29. April geht es weiter und am 9. Mai um zwei Uhr nachmittags ist die Reise geschafft, nach rund 1.872 Stunden: 78 Tage nach dem Start in Bremerhaven läuft der 911 im Hafen Papeete am Motu Uta Container Terminal ein.
Typisch:
Die in vielen geschützten Buchten über dem Wasser geparkten Auslegerkanus.
Magisch:
Reflektionen des Sonnenlichts auf dem sandigen Meeresboden. Ein Hai schwebt im glasklaren Wasser der Lagune.
Inspiriert von Le Mans:
Paul Pouvil und sein Freund Jérôme Lety, Chef des Centre Porsche Polynésie Française.Die 20 Minuten Fahrt hinauf zum Centre Porsche sind dagegen ein Katzensprung. Oben hat Jérôme Lety alles vorbereitet: Der Standplatz des 911 Carrera GTS ist auf dem Boden seines Showrooms hellblau eingerahmt. Vorn der Schriftzug: „Gulfblue. Porsche Exclusive Manufaktur. 1st in French Polynesia.“ Die Kulisse für den Elfer bildet ein großformatiges Foto von Steve McQueen im Rennanzug, dazu sein berühmtes Zitat aus dem Film Le Mans, das perfekt zum weit gereisten Neuankömmling passt: „Rennfahren ist Leben. Die Zeit dazwischen ist nur Warten.“ Der Sportwagen ist in Gulfblau lackiert. Also in dem hellen Blau des legendären Porsche 917, den McQueen als Rennfahrer Michael Delaney in seinem Langstrecken-Rennepos von 1971 fuhr. „Ich bin ein Fan von McQueen“, sagt Lety. „Ich liebe diesen Film und die Legende von Porsche in Le Mans.“ Also komponierte er gemeinsam mit der Porsche Exclusive Manufaktur in Stuttgart-Zuffenhausen diesen ganz besonderen 911 Carrera GTS. Die Farbe, die Belederung der Sitze und des Innenraums, die Wahl der silberfarbenen Nähte und Sicherheitsgurte, der Titan-Abgasanlage und der Carbonblenden für die Räder sind seine Hommage an das legendäre 24-Stunden-Rennen in Frankreich.
Diesen Entwurf präsentierte Lety seinem ältesten Kunden und mittlerweile guten Freund Paul Pouvil. Denn er wusste: Pouvil teilt diese Leidenschaft bis ins Detail. Und er zögerte keine Sekunde. Er wollte genau dieses Fahrzeug haben, so schnell es geht. Jedenfalls so schnell es der weite Seeweg zulässt.
Endlich ist es so weit. Ein strahlender Maimorgen, die Tropenluft liegt wie ein Seidenschal auf der Haut, als Pouvil zur ersten Fahrt mit seinem frisch erworbenen 911 am Centre Porsche erscheint. Sein Uhrarmband: Gulfblue. Sein Hemd: Peach mit einem Hauch von Orange. Das war die Lackierung von McQueens 917. Passt also. Pouvil ist 60 Jahre alt, voller Temperament, gestenreich, ausgestattet mit einem mächtigen, einladenden Lachen.
Auf der Trauminsel:
Paul Pouvil und sein 911 Carrera GTS vor der Kulisse der Insel Moorea. 60 Kilometer Ringstraße ermöglichen hier ungetrübte Fahrfreude.Tempolimit 80 km/h
Rein in den Elfer, den Motor starten: Der einzigartige Klang des 3,6-Liter-Boxers (911 Carrera GTS (WLTP)*: Kraftstoffverbrauch kombiniert: 10,6 – 10,1 l/100 km; CO₂-Emissionen kombiniert: 242 – 230 g/km; CO₂-Klasse: G) mit der neuen T-Hybrid-Technologie bereitet den ersten Gänsehautmoment. Vorsichtig fährt Pouvil mit Lety auf dem Beifahrersitz raus aus dem Showroom und auf die Straße hinunter zum Boot, das den Elfer nach Moorea bringen wird, denn die Nachbarinsel – kaum zu glauben – ist noch schöner als Tahiti. Und dort herrscht auf der Küstenstraße kein Dauerstau wie auf der Hauptinsel.
Entsprechend dicht ist der Verkehr auf dem Weg zur Fähre, mehr als Stop and Go geht hier nicht. Überhaupt: Warum braucht man einen Porsche mit 398 kW (541 PS) und 610 Newtonmeter Drehmoment für die 114 Kilometer lange Ringstraße um Tahiti Nui oder die 60 gewundenen Kilometer des schmalen Asphaltbands um Moorea? Das Tempolimit auf den Landstraßen in Französisch-Polynesien liegt bei 80 km/h, auf einem verwegen kurzen Abschnitt auf der Hauptinsel bei 90 km/h. „Ich liebe das Design des 911, wenn der Wagen in der Sonne steht“, schwärmt Pouvil. „Die Ingenieurskunst fasziniert mich. Ich erfreue mich an der Perfektion im Detail – schau mal die Nähte der Ledersitze an! Außerdem: McQueen! Le Mans! Und …“ Pouvil gibt kurz Gas. Sofort schnellt der 911 nach vorne, aus dem Heck der bärige Boxersound. Ab 2.000 Touren zeigen Pouvils Mundwinkel nach oben, die Augen lachen mit: „Sonst noch Fragen?“
Ausfahrt auf Moorea:
Eine Landschaft, die an Jurassic Park erinnert. Der Blick nach Norden offenbart endloses Meer. Hawaii ist als nächstgelegenes Eiland in dieser Richtung 4.300 Kilometer entfernt.Über dem Fährhafen schweben Fregattvögel, großer Andrang von Autos, Tankwagen, Lastzügen – aber keinerlei Spur von Hektik oder Geschrei. Gelassenheit scheint hier eine Kardinaltugend zu sein. Ordnerinnen in Warnwesten regeln den Zustrom mit stoischer Ruhe und einem herzlichen Lächeln. Die Fähre legt ab, Kurs West. Der Pazifik strahlt in einem satten, tiefen Tintenblau. Tiefgrün und mit wild zerklüftetem Gebirge zeichnet sich Moorea in majestätischer Schönheit am Horizont ab. Eine filmreife Szenerie.
Nach einer knappen Stunde legt das Schiff in der Bucht von Vai’are an. Von hier geht es im 911 Carrera GTS nach Norden und dann entgegen dem Uhrzeigersinn rund um die Insel. Nach ein paar Minuten Fahrt klettert die Küstenstraße auf vielleicht 50 Meter Höhe und wer bei dem Blick nach Osten sein Auto jetzt nicht anhält, dem ist nicht zu helfen. Unten erstreckt sich die Lagune wie ein riesiger, flacher Opal in prächtigen Blau-, Grün- und Türkistönen. Der Elfer oben auf der Straße nimmt mit seinem Gulfblau einen dieser Töne auf: Stuttgart-Zuffenhausen ist Teil einer pazifischen Farbsymphonie.
Blauer Exot im Grünen
Die Fahrt auf dem schmalen, kurvenreichen Asphaltband führt durch viele Dörfer, während rechts des Wagens die Kulisse wechselt: mal steinige Ufer, mal weiße Strände, auf Holzgestellen geparkte Auslegerkanus einen Meter über dem Wasser. Kokosnusspalmen und die strahlenden Farben der Lagune. Links und über dem Kopf: tropisches Grün. Und immer wieder hält Pouvil für einen Fotostopp an. Er ist ein Fan dieser Insel und stolz auf ihre Schönheit. Bei jedem Stopp sind er und sein 911 irgendwann umzingelt. Jeder will sein Foto mit diesem blauen Exoten und seinem Fahrer haben. Die Begeisterung vor allem der jungen Männer kennt kaum Grenzen. Und wenn der Elfer mit Launch Control und einem Raketenstart davonfliegt, ist der Jubel groß.
Pouvil findet den Rhythmus der Straße: „Das ist wie Telepathie zwischen dem Wagen und mir. Die Lenkung, die Bremse, das Gaspedal. Alles reagiert ohne die geringste Verzögerung. Direkt und präzise dosierbar, aber keine Spur rabiat.“ Sein persönliches Highlight wartet am Südende der Opunohu-Bucht. Hier liegt die Abzweigung zum Belvédère d’Opunohu, dem berühmten Aussichtspunkt mit einem atemberaubenden Blick nach Norden über die Insel und zwei tief eingeschnittene Meeresbuchten. Und das Beste: Die Straße auf 240 Meter Höhe führt zunächst gerade durch einen alten Vulkankrater und windet sich dann in etlichen Kurven und Haarnadeln den Hang hinauf. Das sind genussreiche Kilometer: Beschleunigen, Bremsen, Einlenken und präzise um die Kehren.
Der Ton stimmt:
Auf der Geraden spielt der 3,6-Liter-Turbo seine Musik und im Cockpit harmoniert sogar das Uhrarmband von Paul Pouvil mit der legendären Racingfarbe.
Üppig:
Obststände mit tropischen Früchten laden immer wieder zu entspannten Pausen ein.„Ich liebe das Design des 911, wenn der Wagen in der Sonne steht.“ Paul Pouvil
Naturschauspiel:
Ausblicke wie diese auf Moorea verlocken immer wieder zum Anhalten – das Gulfblau des Elfers fügt sich nahtlos ins Farbenspiel ein.Später, auf der Fähre zurück von Moorea zur Hauptinsel beschreibt Lety den ganz besonderen Porsche-Spirit auf Tahiti mit seinen 190.000 Einwohnern. „Französisch-Polynesien ist ein sehr kleiner Markt. Wir verkaufen jedes Jahr 20 bis 30 Porsche-Fahrzeuge. Das ist eine ganze Menge, und es ist überlebenswichtig, jeden unserer Kunden glücklich zu machen. Wenn einer nachts eine Reifenpanne hat, ruft er auch schon mal bei mir an, und ich schicke einen Mechaniker raus. Am Wochenende treffe ich diesen Kunden dann vielleicht im Restaurant unten am Hafen, alle sitzen am Tisch, und er erzählt die Geschichte. Die macht in unserer kleinen Community sofort die Runde.“
So geht das also auf Tahiti. Und noch auf dem Boot diskutieren Jérôme Lety und Paul Pouvil gleich das nächste Projekt: Dem gulfblauen 911 Carrera GTS fehlen noch die orangefarbenen Akzente der Porsche-Rennwagen aus den 1970er-Jahren. „Kein Problem“, lacht Lety, „wir finden eine schöne und dezente Lösung. Und zwar bald. Aber ohne Hast. Wir sind auf Tahiti und la vie est belle.“
Von Zuffenhausen nach Tahiti
Einen Hauch von Le Mans erhält der 911 Carrera GTS mit der Farbe nach Wahl-Lackierung in Gulfblau, dem Farbton der Porsche-Rennwagen der frühen 1970er-Jahre. Per Schiff reist der GTS ab Bremerhaven durch den Ärmelkanal und anschließend über den Atlantik an der Westküste Afrikas entlang nach Süden. Das Kap der Guten Hoffnung lässt er links liegen, durchquert dann den Indischen Ozean und erreicht nach einem Stopp in Neuseeland sein Ziel Tahiti in Französisch-Polynesien. Dieses Überseegebiet Frankreichs im Südpazifik ist mit vier Millionen Quadratkilometern etwa so groß wie die EU. Damit ist das Vertriebsgebiet von Porsche Polynésie Française rein flächenmäßig eines der größten der Welt. Allerdings leben dort auf insgesamt 118 Inseln und Atollen nur rund 280.000 Menschen.
Verbrauchsangaben
911 Carrera GTS
911 GT3
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13,8 – 13,7 l/100 km
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312 – 310 g/km
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G Klasse
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G Klasse
Cayenne Electric
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22,0 – 19,7 kWh/100 km
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0 g/km
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A Klasse