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Der erste Gesamtsieg von Porsche beim 24-Stunden-Marathon von Le Mans 1970 hatte viele Väter. Einer hieß Hans Mezger.

  

48 seiner Kreationen hielten das Herz des Porsche 917 zusammen – Stehbolzen, je 149,5 Millimeter lang, neun Millimeter im Schaftdurchmesser und 65 Gramm schwer. Sie stemmten sich gegen 580 PS und 510 Newtonmeter Urgewalt und verhalfen dem Motor zu der Standfestigkeit, die er brauchte, um dauerhaft bei bis zu 8.400 Umdrehungen pro Minute wie ein Uhrwerk zu funktionieren.

Ihr auffälligstes Merkmal: ein Mantel aus Glasfaser und Kunstharz. Grund: Magnesium- und Aluminiumlegierungen von Motorblock, Zylindern und Köpfen dehnen sich im Betrieb stärker aus als der Stahl herkömmlicher Stehbolzen. Bei heißem Motor drücken sich so Unterlegscheiben und Muttern am oberen Ende der Bolzen leicht in die Zylinderköpfe. Oder das untere Ende zerstört langsam das Gewinde im Kurbelwellengehäuse. Folgen: Leistungsverlust, Überhitzung, Ausfall.

Motorenkonstrukteur Mezger suchte deshalb einen Werkstoff, der so fest war wie Stahl und über die gleichen Dehnungseigenschaften wie der Rest des Motors verfügte. Die Lösung: Dilavar. Eine damals noch neue Stahllegierung – hochfest und doch flexibel. Dilavar-Stehbolzen machten das Längenwachstum der Maschine theoretisch mit, aber eine Besonderheit des Porsche-Motorenbaus bremste sie in der Praxis aus: Das zentrale Kühlluftgebläse des 917 ließ die Bolzen nicht auf die richtige Temperatur kommen, da sie frei neben den Zylindern mitten im Wind standen. Mezger hatte schnell eine Lösung parat: „Wir überzogen sie einfach mit einer Isolierschicht. Und schon blieben sie heiß.“

Hans Herrmann und Richard Attwood im rot-weißen 917 gewannen das Rennen mit fünf Runden Vorsprung souverän – Geburt einer Legende.

Jürgen Gaßebner
Jürgen Gaßebner