Momente einer Marke

75 Jahre Porsche Sportwagen: eine Bilderreise durch acht Jahrzehnte – mit acht Zeitzeugen, für die Tradition immer auch Aufbruch bedeutete.

   

Am 8. Juni 1948 erhielt der erste Porsche seine allgemeine Betriebserlaubnis. Fahrgestellnummer: 356-001. Modellname: Porsche 356 „Nr. 1“ Roadster. Wie es dazu kam, hat Ferry Porsche, der Begründer der Sportwagenmarke, einmal sehr prägnant zusammengefasst: „Am Anfang schaute ich mich um, konnte aber den Wagen, von dem ich träumte, nicht finden. Also beschloss ich, ihn mir selbst zu bauen.“ Eine Vision, ein Entschluss – ein Sportwagen.

Die Historie der Marke Porsche gehört zu den großen Erfolgsgeschichten der Automobilwelt. Auch deshalb, weil Millionen Menschen davon träumten – und noch immer träumen – einen ganz besonderen Wagen zu fahren. Und bei manchen sind die Dimensionen noch etwas größer: Sie wollen entwickeln, gestalten, Zeichen setzen. Sie sind Vordenker, Trendsetter, Pioniere. Beginnend mit Ferry Porsche prägen sie als Teil der Porsche-Familie die Historie des Unternehmens: ob am Reißbrett, am Tonmodell, am Schreibtisch. Oder am Lenkrad, denn vor allem die Kunden, die weltweite Community, machen die Marke zu dem, was sie ist: ein gelebter Traum. Der Christophorus blickt zurück auf acht Momente, die für den epochalen Aufschwung der Marke stehen – und auf acht Menschen, die mit dabei waren.

1948 | Karl Rabe

Die Geburtsstunde des ersten Porsche: „Wir fahren nach Gmünd zurück, wo wir um 21.00 Uhr eintreffen, die Gesamtfahrstrecke betrug 256 km.“ Fast beiläufig hält Karl Rabe am 27. Mai 1948 in seinem Tagebuch einen historischen Moment für die Nachwelt fest: die letzte Probefahrt mit dem ersten Traumauto der Marke, dem Porsche 356 „Nr. 1“ Roadster. Neben Ferry Porsche ist der Ingenieur zusammen mit Konstrukteur Erwin Komenda maßgeblich beteiligt an der Entwicklung des ersten Sportwagens, der im österreichischen Gmünd produziert wird. Heute gilt dies als Ursprung der Marke. Dem Unternehmen ist Rabe da schon längst verbunden, erstmals trifft er auf Unternehmensgründer Ferdinand Porsche 1913 beim Kraftfahrzeughersteller Austro-Daimler in Wiener Neustadt. 1930 beginnt er im Stuttgarter Konstruktionsbüro Porsche zu arbeiten, wo er unter anderem den Porsche Typ 60, den späteren Volkswagen, mitentwickelt. Er prägt neben dem 356 auch die Modelle 550 und 911 und bleibt der Marke Porsche bis zu seinem Ruhestand treu.

Historisches Trio:

Historisches Trio:

Karl Rabe (links) mit Porsche-Konstrukteur Erwin Komenda (Mitte) und Ferry Porsche, mit dem Rabe nach seinem Eintritt in den Ruhestand 1965 als persönlicher Berater verbunden blieb.

1953 | Gilberte Thirion

„Ich lese das alles, ich höre das alles. Und ich habe wirklich den Eindruck, dass es sich um jemand anderes handelt.“

Dynamik als Gütesiegel: Den Ruf als Marke für den Motorsport muss auch Porsche sich zunächst erarbeiten. Auf die Premiere beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans 1951 folgen ein Jahr später weitere Meilensteine, etwa der erste Start bei der Rallye „La Carrera Panamericana“ in Mexiko. Eine weitere Wegbereiterin für den Aufschwung: die Belgierin Gilberte Thirion. Mit der gelernten Sekretärin betritt 1952 eine Frau die internationale Rennsportbühne. Sie ist Pionierin der Emanzipation, Vorbild für viele junge Frauen sowie ein neuer Antrieb für den Porsche Motorsport. 

Und der Beweis, welch große Faszination der Porsche 356 hervorruft – unabhängig vom Geschlecht. Im Januar besucht Thirion gemeinsam mit ihrem Vater Max den Auto-Salon in Brüssel. Ein Sportwagen begeistert die damals 24-Jährige vom ersten Moment an: ein Gmünd-Porsche mit leichter Aluminiumkarosserie, der 356 SL. Wenig später kauft ihr Vater das Auto, schenkt es Gilberte und bereits im Februar rollt sie an den Start der „Rallye Paris – Saint Raphaël“ Féminin, die sie auf Platz zwei in ihrem Klassement beendet. Es folgt eine fünf Jahre währende, außergewöhnliche Rennkarriere. Nach mehreren Gesamtsiegen – bei den 12 Stunden von Huy 1954, der Stella Alpina 1955 oder der ersten Tour de Corse 1956 – sowie etlichen Klassenerfolgen wird sie 1956 mit dem belgischen Sportpreis, der „Trophée National du Mérite Sportif“, ausgezeichnet. Der Trubel um die Rennfahrerin ist beträchtlich, doch wie am Steuer ihres Porsche bleibt sie cool und kontrolliert: „Ich lese das alles, ich höre das alles. Und ich habe wirklich den Eindruck, dass es sich um jemand anderes handelt.“

Pionierin im Motorsport:

Pionierin im Motorsport:

1952 tritt Gilberte Thirion im Porsche 356 SL bei der „Rallye Paris – Saint Raphaël“ Féminin an.
Foto Edward Quinn, © edwardquinn.com

1969 | Russell Schweickart

„Wenn Du die Erde in anderthalb Stunden umrundest, reift die Erkenntnis, dass die eigene Identität mit dem gesamten Erdball zu tun hat. Und das ändert alles.“

Porsche auf dem Weg zur Weltmarke: Dank des Automobilimporteurs Max Hoffman, der dem 356 in den 1950er-Jahren zum Durchbruch in den USA verhilft, pflegt Porsche auch auf der anderen Seite des Atlantiks schon längst das Image eines exzellenten Sportwagenherstellers. Doch in den 1960er-Jahren gilt es, ein neues Zuffenhausener Modell zu bewerben: den 911. Schützenhilfe bekommt Porsche von einem, der sich mit Träumen auskennt – dem Astronauten Russell Schweickart. Als Pilot der Mondlandefähre auf der Apollo-9-Mission umrundet der heute 87-Jährige im März 1969 insgesamt 151-mal den Globus.

Zurück auf der Erde erfüllt sich der Luft- und Raumfahrtingenieur einen weiteren großen Traum: einen Porsche 911. Das dunkelblaue Targa-Modell holt er gemeinsam mit seiner Frau Claire im Werk in Zuffenhausen ab. Es ist ein weiterer Meilenstein für die zunehmende Internationalisierung der Marke: dass jemand wie Schweickart, ein Nationalheld mit Traumberuf, für seinen neuen Sportwagen nach Europa reist, erregt Aufmerksamkeit. Zu dem Wunsch, zum Mond zu fliegen, gesellt sich in den USA nun ein neuer hinzu: einen 911 zu fahren. Bereits Anfang der 1970er-Jahre sind die Vereinigten Staaten der größte Porsche-Markt weltweit. 

Astronaut und Familienmensch:

Astronaut und Familienmensch:

Russell Schweickart mit seiner Frau Claire und den Kindern Vicki, Diane, Rusty, Elin und Randy (v. l. n. r.).
Foto © Ullstein Bild – Topfoto

1977 | Anatole Lapine

„Konventionelle Autos wirken nach kurzer Zeit langweilig.“

Mut zum Umdenken: Anfang der 1970er-Jahre weht ein neuer Wind im Unternehmen. Die Familien Porsche und Piëch ziehen sich aus der operativen Unternehmensführung zurück, der 911 gilt als Auslaufmodell. Neuer Mann an der Spitze ist Ernst Fuhrmann. Und dieser wirbt für ein Modell mit Frontmotor. Keine einfache Aufgabe für Anatole Lapine.

Von 1969 bis 1988 trägt er als Chefdesigner der Marke die gestalterische Verantwortung. Doch der gebürtige Lette ist ein progressiver Träumer: Der von ihm gestaltete 928 ist der erste Gran Turismo mit Frontmotor von Porsche und Ergebnis des Umschwungs, der zu Beginn des Jahrzehnts einsetzte. Nach der Premiere auf dem Genfer Auto-Salon 1977 werden bis 1995 exakt 61.056 Exemplare gebaut. Außerdem entstehen unter Lapines Leitung neben dem 928 die G-Serie und die Generation 964 des 911, der Transaxle-Typ 924, der 944 sowie der Supersportwagen 959 – allesamt bis heute unkonventionell und aufregend. 

Formgeber:

Formgeber:

Die Porsche-Designer Richard Soderberg, Anatole Lapine, Hans Braun und Wolfgang Möbius (v. l. n. r.).

1981 | Peter W. Schutz

„Der Mythos muss erhalten werden.“

Die Rettung des 911: Manchmal ist eine schnelle Kurskorrektur das einzig Richtige. Peter Werner Schutz ist im Januar 1981 noch keine drei Wochen Vorstandschef bei Porsche, als er eine längst getroffene Entscheidung zurücknimmt: Das Modell 911 wird nicht, wie ursprünglich geplant, eingestellt und durch den 928 ersetzt. 

Sondern: Der Elfer wird weiterhin gebaut. Und nicht nur das: Der Deutschamerikaner sorgt auch dafür, dass die 911-Modellpalette erweitert wird, beispielsweise durch ein Cabriolet. Unter seiner Regie verdreifacht Porsche die Verkaufszahlen, brilliert in Le Mans ebenso wie in der Formel 1 und steigert fünf Jahre in Folge die Profitabilität. Ein Traum für den Vorstandschef, ein Traum für die Firma. Als das Geschäftsklima vor allem in den USA rauer wird, verlässt er Ende 1987 das Unternehmen. Seine wichtigste Entscheidung liegt da schon fast sechs Jahre zurück. Sie erscheint noch heute als völlig logisch. Porsche ohne 911 – unvorstellbar.

Le Mans, 1981:

Le Mans, 1981:

Ferry Porsche, Manfred Jantke, Peter W. Schutz, Norbert Wagner, Dr. Wolfgang Porsche (v. l. n. r.).

1993 | Grant Larson

„Mut zum Träumen.“

Ein neuer Roadster: Als Porsche 1993 die Zweisitzerstudie Boxster auf der Motorshow in Detroit enthüllt, ahnt noch niemand, welch große Erfolgsgeschichte gerade ihren Anfang nimmt. Doch schon kurz danach fällt der Entschluss: Ein Fahrzeug, das Presse und Publikum in derartige Jubelstürme versetzt, muss gebaut werden – und zwar nahezu unverändert. Eine äußerst seltene Entscheidung. 

Und genau die richtige, denn bis heute hat Porsche 350.000 Exemplare des Boxster verkauft. Das Einzelstück vereint auf geniale Weise Tradition und Moderne – Elemente des 550 Spyder sowie des 718 RS 60 werden mit Mittelmotorkonzept und einem geschmeidigen Karosseriekörper kombiniert. Für die Teammitglieder wie Exterieur-Designer Grant Larson ist es Anfang der 1990er-Jahre ein Traum von einem Auftrag: Entwerfen Sie ein Showcar, Sie haben alle Freiheiten. Der US-Amerikaner und sein Team nutzen die Chance – und sind auf ewig Teil der Porsche-Historie.

Die Studie und das Team:

Die Studie und das Team:

Grant Larson (Exterieur), Jörg Kirschbaum (Modellkonstrukteur), Otto Geffert (Designingenieur), Dorothea Müller-Goodwin (Color and Trim), Klaus Ziegler (Modellkonstrukteur), Stefan Stark (Interieur), Peter Müller (Chefmodelleur) (v. l. n. r.). Im Auto Harm Lagaay, Leiter des Designs.

2002 | Walter Röhrl

„Das sind Geländewagen, die sich wie Sportwagen fahren lassen – eine echte Sensation.“

Fremdes Terrain bezwingen: Das Jahr 2002 steht für einen ganz besonderen Moment in der Porsche-Historie: Mit dem Cayenne kommt das erste viertürige Modell auf den Markt – Geländegängigkeit inklusive. Nach dem Verkaufsstart avanciert das SUV zum Traum-Porsche etlicher Kunden weltweit und bereits ein Jahr später ist er das meistverkaufte Modell der Marke. Auch dank Walter Röhrl.

Der heute 76-Jährige gewinnt im Laufe seiner Karriere WM-Läufe nicht nur im Rallye-, sondern auch im Rennsport. 1981 wird er von Porsche als Werksfahrer verpflichtet, 1993 zum Markenbotschafter und Entwicklungsfahrer ernannt. Mit seiner Fähigkeit, das Fahrverhalten präzise und einfach zu erklären, beeinflusst Röhrl Abstimmung und Technik von Porsche-Sportwagen über Jahrzehnte. Seine Expertise hilft auch bei der Entwicklung der herausragenden Fahr- und Offroadeigenschaften des Cayenne. Porsche und Röhrl beweisen: Sportwagen im Gelände – das passt.

Offroadtauglich:

Offroadtauglich:

Die Expertise von Walter Röhrl (rechts) ist gefragt – hier zusammen mit dem damaligen Entwicklungsvorstand Wolfgang Dürheimer (Mitte) im spanischen Jerez.

2019 | Oliver Blume

„In unserem Stammwerk in Stuttgart-Zuffenhausen verbinden wir unsere Tradition mit der Zukunft.“

Eine Ära beginnt: Als das Unternehmen 2018 verkündet, mit dem Taycan den ersten vollelektrisch angetriebenen Porsche zu produzieren, fällt eine weitere Entscheidung gleich mit: der Aufbau einer neuen Fertigung im Stammwerk Zuffenhausen.

Es ist ein Mammutprojekt: Während nebenan täglich Sportwagen des 718 und 911 produziert werden, entsteht zeitgleich eine neue Fabrik in der Fabrik. Im September 2019 wird das Werk eröffnet und bietet schließlich 2.000 neue Arbeitsplätze. Eine große Teamleistung. In der neuen Fabrik produziert Porsche vernetzt, flexibel und bilanziell CO₂-neutral. Bereits im November 2022 lief hier der 100.000. Taycan vom Band.

Feierlicher Auftakt:

Feierlicher Auftakt:

Werkseröffnung mit Porsche-Mitarbeitern sowie Werner Weresch, damaliger Vorsitzender des Gesamt- und Konzernbetriebsrates, Andreas Scheuer, damaliger Verkehrsminister, Dr. Wolfgang Porsche, Vorsitzender des Porsche-Aufsichtsrates, Vorstandschef Oliver Blume, Winfried Kretschmann, Ministerpräsident Baden-Württemberg, Fritz Kuhn, damaliger Oberbürgermeister Stuttgart, und Porsche-Produktionsvorstand Albrecht Reimold (erste Reihe von links nach rechts).

Spannende Fakten, historische Aufnahmen – sehen Sie hier die ganze Geschichte zur Entstehung des 356.

75 Jahre Porsche Sportwagen

Pioniere, Wegbegleiter, Träumer – ohne Sie wäre die Geschichte von Porsche eine andere. Treffen Sie hier weitere Menschen, die Teil unserer Historie sind.
Hier geht's zu allen 9:11 Magazin Episoden.

Sven Freese
Sven Freese

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Verbrauchsangaben

Taycan Turbo S (2023)

WLTP*
  • 23,4 – 22,0 kWh/100 km
  • 0 g/km
  • 440 – 467 km

Taycan Turbo S (2023)

Kraftstoffverbrauch* / Emissionen*
Stromverbrauch* kombiniert (WLTP) 23,4 – 22,0 kWh/100 km
CO₂-Emissionen* kombiniert (WLTP) 0 g/km
Elektrische Reichweite* kombiniert (WLTP) 440 – 467 km
Elektrische Reichweite* innerorts (WLTP) 524 – 570 km
Effizienzklasse: A