Laptime: Porsche 911 GT3 R Hybrid auf dem Nürburgring

Beim 24-Stunden-Rennen demonstriert der Porsche-Hybridrennwagen seine überlegene Reichweite.

  

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Die beste Rundenzeit des Porsche 911 GT3 R Hybrid ist keineswegs überraschend: 8 Minuten, 35,393 Sekunden. Nicht schlecht, aber auch nicht überragend. Der erste Hybridrennwagen von Porsche spielt vielmehr andere Qualitäten aus. Mit seinem innovativen Antrieb schafft das Fahrzeug – mit dem Porsche in jenem Jahr die Öffentlichkeit überrascht hat – zehn Runden hintereinander, ehe es nachtanken muss. Andere steuern bereits nach acht Umläufen die Zapfsäule an. Zwei Runden mehr pro Boxenstopp – das ist auf 24 Stunden gerechnet eine Welt. Schnell übernimmt der Porsche die Führung. Die Konkurrenz ist nervös.


Die überlegene Reichweite verdankt der 911 GT3 R Hybrid seiner Vorderachse. Die beim Bremsen rekuperierte Energie gelangt in einen Schwungradspeicher, der anstelle des Beifahrersitzes montiert ist. Per Kick-down oder auf Knopfdruck schnurrt das Schwungrad wie eine Sprungfeder zurück und speist zwei Elektromotoren. Was dann passiert, reicht aus, „um freundlich winkend an den anderen vorbeizufahren“, sagt Jörg Bergmeister, einer der Piloten damals. Mit der Zuschaltung der Elektromotoren automatisch oder per Knopfdruck stehen dem Fahrzeug 120 kW (164 PS) mehr zur Verfügung – Kraft genug, um dem Feld davonzufahren oder den vier Liter großen Sechszylinder-Boxermotor phasenweise zu entlasten. Vollgas unter Hybrid-Beteiligung bedeutet: Die Drosselklappe öffnet nur zu 60 Prozent. Das spart Benzin. „Race Lab“ heißt das Projekt, mit dem Porsche die Hybridtechnologie unter realen Rennbedingungen testet – und damit schon beim ersten Einsatz auf Sieg fährt. Zumindest bis Sonntagmittag.

Nur noch eine Stunde und 45 Minuten. Der Überraschungserfolg scheint für das Porsche-Team zum Greifen nah. Plötzlich die Meldung per Funk. Aus. Vorbei. Nicht die neue Elektrotechnik, sondern eine gebrochene Ventilfeder hat das Rennen des 911 GT3 R Hybrid kurz vor Sieg beendet. Aber es beginnt – 108 Jahre, nachdem mit dem Lohner-Porsche „Mixte“ das erste Hybridauto der Welt beim Exelbergrennen in Österreich an den Start ging – eine neue Ära der Elektromobilität in der Geschichte von Porsche.

15./16.05.2010

24 Stunden auf dem Nürburgring
Nürburg / Deutschland
25,378 Kilometer Streckenlänge
Porsche 911 GT3 R Hybrid

Heike Hientzsch
Heike Hientzsch

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