Bleibt alles anders

Auch eine Dekade nach der Eröffnung gibt es im Porsche Museum in Zuffenhausen noch viel zu entdecken. Ein exklusiver Blick auf die Exponate, die 2019 erstmals in der Ausstellung zu sehen sein werden.

  

Porsche 910/8 Bergspyder (1967)

Das Fahrzeug ist ein seltenes Exponat aus der Sammlung des Porsche Museums. Mehr als 50 Jahre nach seinem größten Erfolg wird der 910/8 Bergspyder von 1967 erstmals wieder zu sehen sein – aufbereitet vom Team der Museumswerkstatt. Mit ihm lotete Porsche damals Grenzen des Leichtbaus aus und gewann 1967 und 1968 die Europa-Bergmeisterschaft. Titan, Magnesium, Aluminium und Kunststoff ersetzen konventionelle Werkstoffe. Der Gitterrohrrahmen unter der Glasfaser-Außenhaut wiegt nur 28,1 Kilogramm. Das Fahrwerk entspricht dem Stand der Formel-1-Technologie zu jener Zeit. 440 Kilogramm brachte das Leichtgewicht am Ende seiner Entwicklung auf die Waage – und beschleunigt mit 202 kW (275 PS) in nur drei Sekunden von 0 auf 100 km/h.

Teamjacke von Norbert Singer (1971)

Er ist eine Rennsport-Legende, war Renningenieur bei Porsche Motorsport, feierte 16 Gesamtsiege in Le Mans und war treibende Kraft hinter vielen Entwicklungen, die bis heute nachwirken: Norbert Singer. Er hat Dinge aufbewahrt, die damals bei seinem ersten Renneinsatz als Leitender Ingenieur für Porsche eine Rolle gespielt haben – darunter seine Teamjacke. Das 1.000-Kilometer-Rennen fand am 27. Juni 1971 in Zeltweg, Österreich, statt. Mehr noch als die eigene Premiere dort ist Singer ein technisches Detail in Erinnerung geblieben: Erstmals setzte Porsche ein Teldix-Antiblockiersystem im 917 ein. Zu sehen ist seine Jacke ab dem 14. Mai im Rahmen der Sonderausstellung „50 Jahre 917 – Colours of Speed“.

Allgemeine Automobil-Zeitung (1900)

119 Jahre alt ist dieses Dokument aus dem Porsche-Archiv – eine Ausgabe der Allgemeinen Automobil-Zeitung. Auf dem Titelblatt zu sehen: der Lohner-Porsche, ein rein elektrisch angetriebener Wagen, erdacht, konstruiert und erbaut von Ferdinand Porsche für die Wiener Firma Jacob Lohner & Co k.u.k Hof-Wagen-& Automobil-Fabrik. Der offene Zweisitzer hatte zwei Radnabenmotoren an den Vorderrädern, die gemeinsam bis zu 7 PS leisteten. Der bis zu 37 km/h schnelle „Elektrische Phaeton“ hatte seine Premiere im April 1900 auf der Weltausstellung in Paris. So schlägt eines der ältesten Dokumente des Porsche-Archivs die Brücke in die Zukunft: zur E-Mobilität. Die Zeitung wird später einmal ihren Platz neben einem Porsche Taycan in der Ausstellung des Museums finden.

Porsche Cayman GT4 Clubsport (2015)

Ein Exemplar des Porsche Cayman GT4 Clubsport von 2015 dokumentiert ab sofort die jüngste Rennsportgeschichte des Unternehmens. Der 1.300 Kilogramm leichte Mittelmotorsportwagen mit seinen 283 kW (385 PS) und 295 km/h Höchstgeschwindigkeit kommt bei weltweit 20 Markenpokalwettbewerben nach wie vor zum Einsatz.

Porsche 911 Turbo Cabriolet „Flachbau“ (1989)

Der Porsche 911 im Look des 935 war ausschließlich im „Sonderwunschprogramm“ erhältlich. Umgebaut von Hand, ist heute schon das Coupé eine Seltenheit. Die Cabriolet-Variante ist eine noch größere Rarität. Ein tannengrünes Exemplar bereichert ab sofort die Ausstellung des Porsche Museums, das als Bewahrer der Historie kontinuierlich die Unternehmenssammlung erweitert. Das „Flachbau“-Cabriolet ist der jüngste Neuzugang in Zuffenhausen.

Designstudie 917 Nr. 23 im Maßstab 1:1 (2013/14)

Es war ein kleines Team, 20 Köpfe, nicht mehr, rekrutiert aus der Design- und Entwicklungsabteilung von Porsche, die 2013 grünes Licht für den Bau einer Studie bekamen: eine Hommage an den rot-weißen Porsche 917, mit dem 1970 die Fahrerkombination Hans Herrmann / Richard Attwood erstmals den Gesamtsieg bei den 24 Stunden von Le Mans erzielt hatte. Allerdings kam das Projekt anlässlich des Einstiegs von Porsche in die LMP1-Weltmeisterschaft über ein Modell aus Modelliermasse nicht hinaus. Die folierte Studie wurde eingelagert, bislang nur intern gezeigt. Jetzt macht das Porsche Museum sie erstmals der Öffentlichkeit zugänglich.

Interaktiv und nah dran

Statt eines Audioguides erhält jeder Besucher des Porsche Museums künftig einen Begleiter im Smartphone-Format an die Seite. Der Multimediaguide mit 5.000 Bildern, 700 Filmen und Audiobeiträgen informiert umfassend über jedes Exponat. Überblendfunktionen zeigen an der neuen interaktiven Porsche-Touchwall, wie sich welches Ausstellungsstück verändert hat. Das Museum bietet zudem 2019 erstmals Standortführungen an. Sie informieren über die Anfänge des Unternehmens und die Entwicklung des Stammwerks in den vergangenen Jahrzehnten bis hin zur derzeitigen Erweiterung für die Produktion des Porsche Taycan.
www.porsche.de/museum

Thorsten Elbrigmann
Thorsten Elbrigmann