Im Rausch der Farben

Tim Layzell malt Motorsportszenen. Mit dem Ziel, dass der Betrachter Kraft und Geschwindigkeit spürt. Der Künstler hat viele Rennen auf der Welt verfolgt und in Acryl festgehalten.

Jedes Mal, wenn Tim Layzell die ersten Striche auf der Leinwand zieht, hat er ein wenig Angst: „Ob es so funktioniert, wie ich es mir denke?“ Er kennt den Zweifel – doch er hat keine Furcht. Also malt er einfach drauflos. „Früher ging das häufig schief“, sagt der 36-Jährige. „Heute nicht mehr so oft.“ Layzell weiß inzwischen, worauf es ankommt. Er zeichnet Autos seit dem dritten Lebensjahr. Schon im Kinderwagen hatten ihn seine Eltern zu Oldtimer-Veranstaltungen mitgenommen. Wenige Jahre später saß er mit Stift und Papier am Tisch und malte Rennautos von Fotografien ab. Mit 13 gewann er seinen ersten Wettbewerb für hoffnungsvolle Talente in der Altersklasse bis 23 Jahre. Damals verkaufte er bereits seine ersten Bilder. Eine frühe Inspiration: der Porsche 911 Carrera 2 seines Onkels.

 

Sieger in Le Mans 1972

Sieger in Le Mans 1972

Die englische Rennfahrerlegende Graham Hill.
Geschwindigkeit

Geschwindigkeit

Layzell malt konzentriert und schnell. Hier eine Szene in der Kurve Tertre Rouge von Le Mans.
Dreigestirn

Dreigestirn

Juan Manuel Fangio (von links), Alberto Ascari und Stirling Moss kurz vor dem Start beim Großen Preis von Monaco 1955.

An die Universität zog es ihn nie. Auto-Design hätte ihn interessiert, aber irgendwie findet diese Leidenschaft auch in der Malerei statt. „Es ist mein Traumjob“, sagt Layzell. Er bewohnt mit seiner Frau und zwei Kindern ein altes Haus etwas außerhalb von Bristol. Ein kleiner Flügel dient ihm als Atelier. Dort sitzt er, schaut aus dem Fenster, lässt sich von der Natur inspirieren und hört klassische Musik. Auch etwas anderes? Vielleicht Jazz? Nein, das Künstlerklischee verfängt nicht. Der Fernseher steht hinter der Leinwand. Er lugt daran vorbei, wenn Sport kommt oder Spielfilme laufen. Und malt, sehr konzentriert, sehr schnell. Bis zu 15 Bilder legendärer Rennwagen, Porträts berühmter Piloten und denkwürdiger Rennsportszenen kreiert er pro Jahr. Es kommt vor, dass er an einem Motiv Monate sitzt, so aufwendig sind manchmal die Recherchen. „Viele Fotos von damals sind schwarz-weiß. Spannend ist also: Welche Farben hatten die Autos?“ Jedes Detail ist wichtig. Etwa: Wer fuhr bei welchem Rennen hinter wem? „Das alles muss passen.“ Zwei Drittel seiner Bilder sind Auftragsarbeiten. Er ist so gefragt, dass sein Bruder einen Teil der Nachforschungen übernehmen muss.

Ikone

Ikone

Der Porsche 917 bei einem Boxenstopp in Le Mans.

Erst dunkel, dann hell

Das Geheimnis seiner Kunst: Ob Realismus oder Pop-Art, Layzell bringt Geschwindigkeit mit Acryl und Pinsel auf die Leinwand. Die Wagen liegen häufig schräg im Bild, die Fahrer neigen den Kopf. Layzell verdunkelt die Leinwand zunächst mit Blautönen und bringt dann die Helligkeit zurück. So gewinnen seine Werke an Kontrast. Ein ungewöhnlicher Weg. „Die Menschen mögen es, wenn es aus den Bildern herausstrahlt“, weiß er. Auch er selbst strahlt. „Welcher Junge hat früher nicht gerne Autos gemalt. Ich darf es noch immer tun, das macht mich glücklich.“ Nur eines fehlt: „Ich würde gerne selbst mehr Rennen fahren.“ Früher jagte er bei Hillclimbing-Rennen Hügel hoch, doch dafür fehlt ihm heute die Zeit. „Aber sie kommt wieder“, hofft er. Es wird schon funktionieren.

Frieder Pfeiffer
Frieder Pfeiffer